Die Reifendruckregel in der MotoGP soll vor allem verhindern, dass Teams mit einem zu niedrigen Reifendruck fahren, um dadurch einen unfairen Performance-Vorteil zu erzielen. Gleichzeitig soll sie die Sicherheit erhöhen, denn die Michelin-Reifen sind für einen bestimmten Druckbereich ausgelegt.
Das Besondere daran: Es zählt nicht nur, mit welchem Druck ein Fahrer startet, sondern auch, wie lange der Reifen während des Rennens unter dem vorgeschriebenen Mindestdruck liegt.
1. Wie funktioniert die Regel?
Der Reifendruck wird durch Sensoren im Reifen beziehungsweise im Rad überwacht. Die Messwerte werden während der Fahrt erfasst und können von den zuständigen Stellen ausgewertet werden.
Warum ist das wichtig?
- Zu niedriger Druck: Der Reifen kann sich stärker verformen und übermäßig erhitzen. Das kann seine Stabilität und Sicherheit beeinträchtigen.
- Höherer Druck: Der Reifen verhält sich anders, etwa bei der Aufstandsfläche und beim Grip.
- Temperatur: Durch das Fahren erwärmt sich der Reifen, und der Druck steigt normalerweise an.
Deshalb kann ein Reifen beim Start noch relativ kalt sein und später einen deutlich höheren Druck erreichen. Die Teams müssen das bei ihrer Abstimmung berücksichtigen.
2. Welche Mindestwerte gelten 2026?
Für die MotoGP-Saison 2026 gelten grundsätzlich folgende Richtwerte für Slickreifen. Die konkreten Vorgaben können je nach Veranstaltung abweichen.
Crash.net
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| Reifen | Mindestdruck |
|---|
| Vorderreifen | 1,80 bar |
| Hinterreifen | 1,68 bar |
Entscheidend ist aber nicht, dass der Druck in jeder einzelnen Runde über diesem Wert liegt. Es gibt eine vorgeschriebene Mindestanzahl an Runden, in denen der Druck eingehalten werden muss.
- Grand Prix: In mindestens 60 % der Rennrunden muss der vorgeschriebene Mindestdruck eingehalten werden.
- Sprint: In mindestens 30 % der Rennrunden muss der Mindestdruck eingehalten werden.
Wer diese Vorgabe verfehlt, erhält nach aktuellem Regelstand eine Zeitstrafe von 16 Sekunden im Grand Prix beziehungsweise 8 Sekunden im Sprint.
Crash.net
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3. Ein Beispiel aus der Praxis
Nehmen wir an, ein Grand Prix geht über 20 Runden.
20 Rennrunden
60 % davon sind 12 Runden.
Beispiel A: Regel eingehalten
Der Fahrer liegt in 14 Runden über dem Mindestdruck. Die Vorgabe ist erfüllt.
Beispiel B: Regel verletzt
Der Fahrer liegt nur in 10 Runden über dem Mindestdruck. Er unterschreitet die vorgeschriebene Anzahl und erhält eine Zeitstrafe.
Wichtig: Es geht um den gemessenen Druck während der Fahrt, nicht einfach um den Wert in der Box vor dem Start.
4. Warum fahren Fahrer dann manchmal absichtlich langsamer?
Hier wird die Regel besonders interessant. Der Reifendruck verändert sich während des Rennens, vor allem durch die Temperatur.
- Der Fahrer fährt allein vorne: Der Vorderreifen kann kühler bleiben. Der Druck steigt möglicherweise nicht ausreichend an.
- Der Fahrer fährt dicht hinter einem anderen Motorrad: Die heiße, verwirbelte Luft kann den Vorderreifen zusätzlich erwärmen. Der Druck steigt.
- Der Druck wird zu hoch: Der Reifen kann sich anders verhalten, und der Fahrer kann Vertrauen und Grip am Vorderrad verlieren.
Deshalb kann es passieren, dass ein Fahrer einen Konkurrenten überholen könnte, aber lieber hinter ihm bleibt, um den Vorderreifen im richtigen Temperatur- und Druckbereich zu halten. Oder er lässt sich sogar überholen, damit er anschließend im Windschatten fahren kann. Solche taktischen Situationen wurden bereits in MotoGP-Rennen beobachtet.
Crash.net
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5. Wie wird das kontrolliert?
1. Sensoren messen den Druck
Die Messwerte werden während der Fahrt erfasst und aufgezeichnet.
2. Das Team überwacht die Werte
Die Fahrer können Warnhinweise auf dem Dashboard erhalten. Das Team muss abschätzen, wie sich der Druck bis zum Rennende entwickelt.
3. Die Rennleitung wertet die Daten aus
Die aufgezeichneten Werte werden mit den vorgeschriebenen Grenzwerten und der erforderlichen Anzahl an Runden abgeglichen.
Die technische Grundlage ist ein einheitliches Reifendruck-Überwachungssystem, das seit 2023 in der MotoGP-Klasse eingesetzt wird.
fim-moto.com
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Fazit
Die Regel klingt zunächst simpel: Der Reifen darf nicht zu wenig Druck haben. In der Praxis entsteht aber ein Zielkonflikt zwischen Sicherheit und Performance.
Zu wenig Druck kann eine Strafe verursachen, zu viel Druck kann den Grip verschlechtern. Und weil sich der Druck durch Temperatur, Windschatten und Fahrweise ständig verändert, müssen die Teams den optimalen Startdruck im Voraus möglichst genau berechnen.
Genau deshalb sieht man in der MotoGP manchmal ungewöhnliche Zweikämpfe, bei denen ein Fahrer nicht sofort überholt, obwohl er offensichtlich schneller sein könnte.