Großbritannien nimmt eine interessante
Zwitterrolle ein: Das Land verfolgt eine „Everything-of-the-above“-Strategie. Sie bauen massiv Windkraft aus (vor allem Offshore), setzen aber gleichzeitig als einer der wenigen westlichen Staaten auf den
Neubau großer Atomkraftwerke.
Hier ist der Vergleich der Strompreise und Strategien (Stand Anfang 2026):
1. Der Preisvergleich (Privathaushalte)
In Großbritannien wird der Preis durch den sogenannten
Energy Price Cap (eine Preisobergrenze) reguliert, der quartalsweise angepasst wird.
- Deutschland: ca. 32,9 ct/kWh
- Großbritannien: ca. 27,0 - 29,0 ct/kWh (umgerechnet von ca. 23–24 p/kWh zzgl. Grundgebühr)
Der Clou: Obwohl der Preis pro Kilowattstunde niedriger ist als in Deutschland, sind die
Gesamtkosten für britische Haushalte oft ähnlich hoch oder höher. Das liegt an extrem hohen
„Standing Charges“ (Fixkosten pro Tag von ca. 60–70 Cent), die man auch zahlt, wenn man gar keinen Strom verbraucht.
2. Die britische Atom-Strategie: Hinkley Point C
Großbritannien zeigt sehr deutlich, was ein Wiedereinstieg oder Neubau finanziell bedeutet. Das Vorzeigeprojekt
Hinkley Point C ist ein Warnsignal für Skeptiker:
- Garantierter Preis (Strike Price): Die Regierung hat dem Betreiber einen Abnahmepreis garantiert. Dieser lag ursprünglich bei ca. 10 ct/kWh, ist aber durch die Inflation bereits auf über 16 ct/kWh (Stand 2025/26) gestiegen.
- Vergleich zu Wind: Zum Vergleich: Neue Offshore-Windparks in der Nordsee liefern Strom oft für 6 bis 9 ct/kWh.
- Die Zeche: Wenn der Marktpreis an der Börse niedriger ist als diese 16 Cent, zahlt der britische Staat (bzw. der Stromkunde über Umlagen) die Differenz. Das bedeutet, dass die britischen Strompreise durch die neue Atomkraft langfristig eher nach oben gedrückt oder zumindest stabilisiert werden, statt zu sinken.
3. Warum Großbritannien trotzdem auf Atomkraft setzt
Trotz der hohen Kosten verfolgt die britische Regierung den Bau konsequent weiter. Die Gründe sind:
- Dunkelflaute: Da Großbritannien eine Insel ist, ist der Stromaustausch mit Nachbarn schwieriger als für Deutschland. Sie wollen Atomkraft als "Anker", wenn der Wind auf dem Meer nicht weht.
- Militärische Synergien: Es gibt Stimmen, die argumentieren, dass das zivile Atomprogramm notwendig ist, um die Expertise und Lieferketten für die nukleare U-Boot-Flotte des Landes aufrechterhalten zu können.
Zusammenfassung des Drei-Länder-Vergleichs
| Land | Strompreis-Niveau | Hauptproblem | Strategie |
| Deutschland | Hoch | Hohe Netzkosten durch Umbau | Voller Fokus auf Erneuerbare & Speicher |
| Frankreich | Mittel (subventioniert) | Marode Kraftwerke & Riesenschulden | Erhalt der Atomkraft um jeden Preis |
| Großbritannien | Mittel bis Hoch | Abhängigkeit von Erdgas-Preisen | Mix aus teurer Atomkraft & billigerem Wind |
Fazit für die deutsche Debatte: Das britische Beispiel zeigt: Atomkraft-Neubau ist
kein Rezept für sinkende Preise. Es ist eher eine extrem teure Versicherungspolice für die Versorgungssicherheit. In Deutschland würde ein Wiedereinstieg ähnliche Preisgarantien erfordern, was den Strompreis vermutlich eher bei über 30 Cent zementieren würde, anstatt ihn in Richtung der 20 Cent zu drücken.