Du verwechselst in deiner Argumentation Land mit Regierung. Im Verteidigungsfall kämpfen wir für alle unsere Mitbürger, Kinder, Frauen, Freiheit und Werte. Es wird in absehbarer Zeit nur zwei mögliche Aggressoren geben: Russland und China. Und unter deren Herrschaft wäre Deutschland wie wir es kennen, definitiv Geschichte. Völlig unabhängig von der Regierung, die uns dann in den Kampf schickt.Ohne dass jetzt irgendwie einwerten zu wollen, aber versucht es mal aus der Situation eines 15 oder 16-jährigen zu sehen.
Der sieht, wie dieses Land gerade die Sozialsysteme vor die Wand fährt. Alles was er davon noch mitbekommen wird, sind die Sozialbeiträge, aber voraussichtlich keinerlei Rentenzahlungen. Er darf brav in alle Kassen einzahlen, dann noch die Pflege seiner Eltern bezahlen, weil die Pflegekasse nicht genug zahlt. Währenddessen erzählen ihm Leute, die gar nicht wissen was arbeit ist (Merz), dass sich Arbeit wieder lohnen muss und eine Sozialministerin, die glaubt, das Finanzamt druckt Geld im Keller.
Währenddessen beschließen die Länder immer neue Polizeigesetze, die dann erstmal wieder vom BVerfG demontiert werden müssen, bis dahin aber munter gegen das Grundgesetz verstoßen wird.
Zeitgemäße Unterhaltung ist auch bald nicht mehr, Generation Boomer diskutiert gerade Altersgrenzen für's Internet, äh Social Media natuerlich nur. Erfunden von den Leuten, die mal Öffnungszeiten für's Internet gefordert haben.
Ick weeß nicht, ob ich so ein Land verteidigen wollen würde, was sich alle Mühe gibt, mir genau gar nichts zu bieten außer Einschränkungen.
Meiner Meinung nach fehlt uns etwas ganz Entscheidendes: In Deutschland gibt es kaum das Gefühl der Solidarität, an das man appellieren könnte. Ein gutes Stück weit sicher auch der Tatsache geschuldet, dass uns ein Zugehörigkeitsgefühl im Sinne von Nationalbewusstsein im vollen Geschichtsbewusstsein immer tüchtig ausgetrieben und keine Alternative geschaffen wurde. Das einzige gemeinsame Thema das wir je hatten, war unsere Nationalmannschaft. Und vielleicht das große Schreckgespenst UDSSR als gemeinsamen Feind.
Aber niemand denkt auch bei den Wahlen jemals an das Land als Ganzes, mit Blick auf die Zukunft. Meine Rente, mein Job, mein Haus, Hauptsache, ich kann das alles so behalten. Veränderung? Bloß nicht.
Zusätzlich hat der überbordende Sozialstaat immer dafür gesorgt, dass sich niemand wirklich Gedanken um die eigene Zukunft oder der der Kinder machen musste. Echte Existenzängste? Fehlanzeige. Jemals in der physischen Opferrolle gewesen? Unerhört. Die allermeisten wissen überhaupt nicht wie es sich anfühlt, einem physischen Aggressor auf Leben und Tod ausgeliefert zu sein. Wer das mal gespürt hat muss nicht mehr erklärt bekommen, dass dagegen nur mindestens ebenbürtige Stärke hilft. Für mich erklärt das auch die unbegreifliche Nachsicht und Naivität gegenüber Migranten aus Umfeldern, wo das Messer ein übliches Mittel der Konfliktbewältigung auf der Straße darstellt (Natürlich wird das wieder jemand abstreiten wollen, aber ich war selbst beruflich in Herkunftsländern, wo das die nackte Realität ist).
Ich durfte nach der Flut im Ahrtal zum ersten und einzigen Mal erleben, dass es so etwas wie Solidarität in Deutschland noch gibt. Das Ausmaß des Zusammenhalts und der gemeinsamen Krisenbewältigung hätte ich davor nicht einmal ansatzweise für möglich gehalten. Nicht nur unter den Betroffenen, sondern auch in Form von tausenden Helfern aus dem ganzen Land, die innerhalb von Tagen angereist kamen. Ein Onkel von mir hat damals kurzerhand eine Hilfsorganisation gegründet und wurde innerhalb Wochen mit praktisch sinnvollen Hilfsgütern im Millionenwert überhäuft und kam kaum hinterher, diese zu verteilen. Es war absolut beeindruckend.
Aber wie will man diese einmalige Solidarität aufs ganze Land übertragen, ohne alle zusammen absaufen zu lassen?
